Av. 18 de Julio, Bs. Aires 1932

Die Wurzeln des Tangos

Die Wurzeln des Tangos sind zu finden zwischen den Tangos und Candombes der schwarzen Sklaven aus Buenos Aires und Montevideo in der Kolonialzeit. Hier arbeiteten Sklaven, die im wesentlichen aus Angola, Mauretanien, Guinea, Kongo, Nigeria und Ghana stammten. In den Kolonien pflegten sie Versammlungen (Milongas) abzuhalten, um etwas Freude in ihr trauriges Schicksal zu bringen. Mit Trommeln und Gesang feierten sie ihre Tanzfeste, die von den Kolonialherren als "Tangos" bezeichnet wurden, aber in ihrem Anfang tatsächlich Milongas mit Gesang und Candombes waren. Hier entstand der besondere Tanzstil mit "Corte und Quebrada" aus den Einflüssen der Habanera cubana, dem Candombe, dem Tango andaluz, der Milonga, der Mazurca und der Polka.
Das Eigenartige des Tango argentino war, daß der Tanzstil, entwickelt in den Hinterhöfen der Conventillos (Mietskasernen), schon fertig war, bevor die Tango Musik entstand. Während die Tanzpaare versuchten mit ihren unterschiedlichen Schrittmustern klarzukommen, und ihre flüssigen Bewegungsabläufe immer wieder abrupt stoppten, versuchten die Musiker das Geschehen möglichst animierend zu begleiten. Ein einfacher und binärer Takt (2/4) setzte sich durch und die komplexe Rhythmik der Afrikaner verblieb im Candombe. Da Candombe und Milonga die gleiche rhythmisch-melodische Zelle hatten, nur um eine Sechzehntelnote verschoben, gilt die afrikanische Herkunft dieser Genres als gesichert. Selbst heute finden wir diese noch in der Kizomba und der Semba aus Angola.
Die Tanzlokale jener Zeit (um 1880) wurden als "Academias", "Milongas" und Piringundines" bezeichnet. Hier verkehrte das ganze Volk aus unterschiedlichster Herkunft. Es tauchten hier die vom Lande kommenden "Gauchos ohne Pferd" auf, zusammen mit den Nachkommen der Spanier und Italiener, und erschufen einen neuen Typus Mann: den Compadrito. Sie konkurrierten um die spärlich verfügbaren Tanzpartnerinnen, die Miettänzerinnen und Kellnerinnen, die meist auch dem horizontalen Gewerbe angehörten. Die Zuhälter witterten ihr Geschäft, und Revierkämpfe standen auf der Tagesordnung. Aus dieser frühen Zeit stammt dann auch das verruchte Image des Tangos, das bis heute noch durch die Presse verbreitet wird. back to top

Die ersten Stile des Tangos:

"Tango Canyengue", "Tango Orillero" oder "Tango Arrabalero".
Alle drei Bezeichnungen betreffen den frühen Tangostil. Sie sind je nach Mode mal mehr und mal weniger stark getanzt worden. In diesem Tanzstil tanzen Mann und Frau mit leicht gebeugten Knien, einer engen Tanzhaltung und in der Regel mit dem Gesicht eng beieinander, Wange an Wange. Viele kleine Schritte mit Rhythmischen Varianten und Verzierungen und frechen Schrittmustern, machten ihn zeitweise zum Hit. Dabei handelte es sich weniger um den historisch authentischen Stil, der immer eine sehr persönliche Note hatte, sondern eher so, wie man sich an ihn erinnerte und so wie man ihn besser verkaufen konnte. Aus alten Fotos lässt es sich nämlich schlecht tanzen lernen. back to top

Tango Tanz: Hier eine Zeichnung vom Canyengue Tanzstil

Tango de Salón

Nachdem 1914 Baron Antonio de Marchi mit dem Versuch scheiterte, im Palais de Glace den Tango für die gehobene Gesellschaft hoffähig zu machen, bekam er 1918 Schützenhilfe von Lima Nicanor, dem Autor des ersten Handbuchs für den Tango als Tanz. Hier finden wir die ersten Beschreibungen zu Tanzhaltung, die Regeln der Aufforderung und die Benimmregeln für die Tanzpiste, um aus ihm einen Gesellschaftstanz zu machen. Ab jetzt durchläuft der Tango einige Bereinigungen und Erweiterungen, um letztendlich die spezifischen Stile der einzelnen "Barrios" von Buenos Aires und Montevideo zu konfigurieren. Es sind dann die goldenen vierziger Jahre, die einen Tango de Salón hervorbringen, der im Wesentlichen bis heute Gültigkeit hat. Dieser Salontango ist ein sehr eleganter Tango-Stil. Er verzichtet auf komplizierte Figuren und wird in erster Linie auf den "Milongas" (Tangotanzveranstalungen) getanzt. Gekennzeichnet durch katzenartige, fließende und manchmal verhaltene Bewegungen wird er, exakt zu den musikalischen Stimmungen, aufs Parkett gezaubert. Er beinhaltet viele tangotypische Elemente und besticht mit Anmut, Eleganz und Sinnlichkeit. back to top

Milonguero-Stil

Bis in die achtziger Jahre verstand man unter dem "Estilo Milonguero" in Buenos Aires den Stil der alten Männer (Milongueros), die in den Tangosalons mit ihren wilden Figuren für Aufruhr sorgten. Mal eng und mal offen in der Umarmung. tanzten sie viele Figuren und besonders gerne Drehungen mit enrosques, um dem Publikum Begeisterungsapplaus zu entlocken. Ab den neunziger Jahren wurde dann durch Teté und Susanna der "Estilo Milonguero" umgedeutet und weltweit bekannt gemacht. Im Grunde war es auch Tango de Salon mit einer Eigenart: Bezeichnend war, daß Mann und Frau sich oben stark aneinander lehnten, auf die eigene Achse verzichteten, und dadurch auf ein gemeinsames Gleichgewicht angewiesen waren. Die choreografischen Beschränkungen dieses Stils (es waren keine virtuosen Drehungen möglich), der in Buenos Aires auch unter den Namen Petitero (Tanzstil vom Petit Café), Confitería-Stil, Apilado-Stil oder Club-Stil kursierte, wurden aber recht bald vom Tango Nuevo über Bord geworfen. back to top

Tango Nuevo

Jetzt gingen die Tanzpartner wieder auf ca. einen halben Meter Abstand, um unter visueller Kontrolle ihrer Extremitäten alles was die Gymnastik und Kontaktimprovisation hergab, in einem akrobatischen Freistil zu integrieren. Gute Körperbeherrschung war jetzt die Grundvoraussetzung um den ästhetischen Kriterien des Tangos gerecht zu werden. Auch Salsa Figuren fanden unter dem Namen Soltadas Verwendung. Die Mutigen der Neuen Tangueros/as hängten sich schräge nach außen oder lehnten sich kühn nach innen, um mittels Colgadas und Volcadas die Blicke auf sich zu ziehen. Bei fehlender Körperspannung sahen diese Schräglagen nicht vorteihaft aus. Doch die narzisstische Komponente kam gut an, und viele machten diese Welle mit. Einen eigenen Stil konnte der Tango Nuevo aber nicht schaffen, denn vieles war untereinander nicht kompatibel, und viele Menschen wurden wegen mangelnder Körperbeherrschung ausgeschlossen, diesen Stil zu tanzen. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken gab es von wichtigen Tangotänzern Interviews in den Zeitschriften von Buenos Aires, die ermahnten, die Essenz des Tangos nicht zu verlieren. Gefördert vom Kulturamt der Stadt Buenos Aires endstand 2001 die jährliche Tango Weltmeisterschaft in 2 Kategorien. Mit der Aufteilung in Tango de Salón, heute auch Tango Pista genannt, und dem Tango Escenario wurden dann die zwei wesentlichen Kategorien des Tangos weltweit verbreitet und haben sich durchgesetzt. back to top

Tango Fantasía (Tango escenario / Bühnentango)

Wie der Name schon sagt sind dieses Tango Phantasien mit der Freiheit der künstlerischen Interpretation. Es ist der Vision der Interpreten überlassen, wie sie ihre Choreografie gestalten. Stilistisch hat er damit keine definierte Form, außer daß in der Weltmeisterschaft für eine Wertung nur 1/3 der Choreografie aus Nicht-Tangoelemente bestehen darf. Sicherlich ist er bühnenwirksam und daher zum Vortanzen geeignet. Vieles was man auf den Tango-Bühnen zu sehen kriegt, kann man als Tango Fantasía bezeichnen. In den achtziger und neunziger Jahren wurde der Tango Fantasía, damals auch "de espectáculo" genannt, stark vom Ballet beeinflußt. Bei den Tanzpaaren fand man sehr oft eine klassische Besetzung: der Mann kam von der Folklore, die Frau vom Ballett. Ende der neunziger Jahre wurde dann die Akrobatik immer präsenter, und mit den Weltmeisterschaften im Bühnentango waren daraus so explosive Tanzshows geworden, daß es so manchem Zuschauer den Atem verschlug. Saltos mit Luftrollen und brisanten Sprungkombinationen gehörten zum Standart eines guten Bühnentangos. back to top

Tango de Salon: Milonga in Buenos Aires
Milonga de los Zucca, Eine Hochburg des Tango de Salón in Bs. Aires